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Elektrik bei der Renovierung: Ablauf, Kosten & Fehler 2026

Bei einer Renovierung wird die Elektrik oft als Nebensache behandelt – bis die Wände frisch gestrichen sind und auffällt, dass Steckdosen fehlen, die Küche einen eigenen Stromkreis braucht oder der Zählerschrank nicht mehr zulässig ist. Dann wird es teuer. Dieser Beitrag erklärt, an welcher Stelle die Elektrik in den Renovierungsablauf gehört, womit Sie bei den Kosten rechnen sollten und welche Fehler wir in der Praxis am häufigsten sehen.

Warum die Elektrik bei der Renovierung zuerst kommt

Die Elektroinstallation verläuft in, auf und hinter Wänden, Decken und Böden. Alles, was danach kommt – Putz, Trockenbau, Fliesen, Estrich, Malerarbeiten – deckt sie zu. Jede Änderung nach diesen Gewerken bedeutet erneut Stemmen, Staub und Nacharbeiten anderer Handwerker.

Die Faustregel lautet daher: Erst planen, dann rückbauen, dann Elektro-Rohinstallation – und erst danach schließen die anderen Gewerke die Wände.

Der richtige Ablauf: Elektrik im Renovierungsplan

  1. Bestandsaufnahme: Der Elektriker prüft die vorhandene Anlage – Leitungen, Absicherung, Zählerschrank, Fehlerstrom-Schutzschalter (FI/RCD). Erst danach steht fest, ob einzelne Stromkreise angepasst werden oder ob eine vollständige Erneuerung sinnvoll ist.
  2. Planung: Raum für Raum werden Steckdosen, Schalter, Lichtauslässe, Netzwerkdosen und Anschlüsse für Küche, Bad und Haustechnik festgelegt. Jetzt ist der Moment, an spätere Wünsche wie Wallbox, Smart Home oder Homeoffice zu denken.
  3. Rückbau: Alte Leitungen und Dosen werden stillgelegt oder entfernt. Die Anlage wird dafür fachgerecht spannungsfrei geschaltet.
  4. Elektro-Rohinstallation: Schlitze, Leerrohre, Leitungen und Unterputzdosen werden gesetzt – parallel oder abgestimmt mit Sanitär und Heizung.
  5. Andere Gewerke: Putz, Trockenbau, Estrich, Fliesen und Maler schließen die Flächen.
  6. Endmontage: Schalter, Steckdosen und Leuchten werden eingebaut, die Verteilung wird verdrahtet.
  7. Prüfung und Dokumentation: Nach DIN VDE 0100-600 wird die neue oder geänderte Anlage gemessen und protokolliert, bevor sie in Betrieb geht.

Praxistipp: Fotografieren Sie jede Wand nach der Rohinstallation mit einem Zollstock im Bild. So wissen Sie auch Jahre später noch, wo Leitungen verlaufen – das schützt beim Bohren und erleichtert spätere Erweiterungen.

Teilerneuerung oder komplette Elektro-Renovierung?

Nicht jede Renovierung erfordert eine neue Elektrik im ganzen Haus. Die Entscheidung hängt vom Zustand der vorhandenen Anlage ab:

  • Teilerneuerung reicht oft, wenn die Anlage jüngeren Datums ist, Schutzleiter vorhanden sind und nur ein Raum – etwa Küche oder Bad – neu gestaltet wird.
  • Komplette Erneuerung ist meist die wirtschaftlichere Lösung, wenn ohnehin alle Wände geöffnet werden, alte zweiadrige Leitungen ohne Schutzleiter verbaut sind oder der Zählerschrank nicht mehr den Anforderungen des Netzbetreibers entspricht.

Wichtig: Wird ein Stromkreis neu errichtet oder wesentlich geändert, muss dieser Teil den aktuell gültigen Normen entsprechen – zum Beispiel beim Schutz durch Fehlerstrom-Schutzschalter. Mehr dazu, wann ein FI-Schalter auslöst und warum, lesen Sie in unserem Beitrag FI-Schutzschalter löst aus.

Was kostet die Elektrik bei einer Renovierung?

Die Kosten hängen stark vom Umfang, vom Zustand der Bausubstanz und von der gewünschten Ausstattung ab. Die folgenden Spannen sind grobe Orientierungswerte aus dem Markt und ersetzen kein Angebot:

Umfang Typische Einflussfaktoren Orientierung
Einzelner Raum (z. B. Küche oder Bad) Anzahl Stromkreise, Geräteanschlüsse, Fliesenarbeiten häufig niedriger vierstelliger Bereich
Komplette Wohnung Wohnfläche, neue Unterverteilung, Netzwerk Abrechnung meist pro m² Wohnfläche
Einfamilienhaus komplett Zählerschrank, Außenbereich, Haustechnik abhängig von Fläche und Ausstattung
Zählerschrank-Erneuerung Vorgaben des Netzbetreibers (TAB), Platzbedarf separat kalkuliert

Was viele unterschätzen: Ein großer Teil der Kosten entsteht nicht durch Material, sondern durch Arbeitszeit für Schlitze, Leitungsführung und Abstimmung mit anderen Gewerken. Wer die Elektrik sauber in den Ablauf einplant, spart genau hier. Wann ein neuer Zählerschrank fällig ist, erklärt unser Beitrag Zählerkasten erneuern.

Wichtig: Ein seriöses Angebot gibt es nur nach einer Besichtigung vor Ort. Pauschalpreise am Telefon können die Bausubstanz nicht berücksichtigen – und führen später fast immer zu Nachträgen.

Die häufigsten Fehler bei der Elektrik in der Renovierung

  • Elektriker kommt nach dem Maler: Der teuerste Fehler. Frische Wände werden wieder geöffnet, der Maler muss ein zweites Mal kommen.
  • Nur „sichtbare“ Teile werden erneuert: Neue Schalter und Steckdosen auf alten Leitungen sehen gut aus, lösen aber kein Sicherheitsproblem.
  • Zu wenige Steckdosen und Stromkreise: Heute stehen in Küche, Wohnzimmer und Arbeitszimmer deutlich mehr Geräte als vor 30 Jahren.
  • Kein Leerrohr als Reserve: Ein leeres Rohr zu Wohnzimmer, Dachboden oder Garage kostet bei offener Wand wenig und ermöglicht spätere Netzwerk-, Smart-Home- oder Wallbox-Anschlüsse ohne neue Schlitze.
  • Keine Prüfung und kein Protokoll: Ohne Messprotokoll nach DIN VDE 0100-600 ist nicht dokumentiert, dass die Anlage sicher ist – relevant für Versicherung und spätere Arbeiten.
  • Arbeiten in Eigenleistung an der Festinstallation: Arbeiten an der fest verlegten Elektroinstallation gehören in die Hände einer Elektrofachkraft. Sinnvolle Eigenleistung sind zum Beispiel Rückbau von Tapeten oder Malerarbeiten.

Renovierung von Gewerbeobjekten

Bei Büros, Praxen oder Ladenflächen kommen weitere Punkte hinzu: getrennte Stromkreise für Arbeitsplätze und IT, Beleuchtung nach den Anforderungen an Arbeitsstätten und die Planung von Netzwerk- und Sprechanlagen. Nach Abschluss sollte geklärt werden, wie die regelmäßige Prüfung der Anlage und der ortsveränderlichen Geräte organisiert wird. Mehr dazu in unserem Beitrag zur DGUV V3 Prüfung.

Fazit: Elektrik früh einplanen, Wände nur einmal öffnen

Die Elektrik ist bei einer Renovierung kein Detail, sondern der Ausgangspunkt. Wer sie vor allen anderen Gewerken plant und umsetzt, öffnet die Wände nur einmal, vermeidet Nachträge und erhält eine Anlage, die zu den heutigen Anforderungen passt. Wenn das Haus älteren Baujahrs ist, lohnt sich zusätzlich ein Blick in unseren Beitrag Elektrik im Altbau erneuern.

Sie renovieren eine Wohnung, ein Haus oder ein Gewerbeobjekt in Geretsried, Wolfratshausen, Bad Tölz, Starnberg oder im Münchner Süden? Wir prüfen den Bestand vor Ort und planen die Elektrik passend zu Ihrem Renovierungsablauf.

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